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Schlafen
In Japan scheint jeder ständig übermüdet zu sein. Geschlafen wird, wo gerade man das Bedürfnis danach verspürt, auf Arbeit, im Zug, auf dem Fahrrad. Auf Arbeit ist es keine Schande eine kurze Pause einzulegen, nach hinten gelehnt, mit dem Kopf auf dem Tisch oder liegend auf zwei Stühlen. Wer lange Strecken mit Metro oder Zug zurücklegen muss, nutzt diese Zeit für ein Nickerchen. Nicht nur im Sitzen, auch im Stehen scheint das zu gehen. Selbst auf dem Motorrad sitzend Schlafende kann man sehen. Einer saß rückwärts drauf, die Beine gegen einen nahestehenden Baum gestützt und ich fragte mich, ob er oder das Motorrad zuerst umfallen wird. Bei einem plötzlichen Regenguss stand im Eingang des Hauses zu unserem Büro ein Fahrradfahrer und schlief über den Lenker gebeugt. Wer zur Mittagszeit durch die Möbelabteilungen der Warenhäuser läuft, sieht die ausgestellten Sessel und Massagestühle mit Schlafenden bevölkert und keiner stört sich daran.

Einpacken und Auspacken
Moden und Trends sind hier besonders schnellebig. Dies gilt auch und ganz besonders für die Architektur. Es wird gesagt, das innerhalb von 20-30 Jahren halb Tokio komplett umgebaut wird. Eine derartige Erneuerungswut weist kaum eine andere Metropole auf.

Wenn ein Haus abgerissen wird, passiert das gründlich. Selbst Fundamente und Tiefgarage werden ausgegraben, um tabula rasa, einen reinen Tisch zu hinterlassen. Von dem was vorher stand, bleibt kein Stein übrig.

Baustellen von neuen Häusern und Umbauten an bestehenden sind in Japan wie große Geschenke. Während der Bauphase mit Gerüsten und Plakaten komplett umhüllt, wird es erst zur Eröffnung ausgepackt. Das kann manchmal sehr schnell gehen, morgens wird noch an der Fassade gewerkelt, abends ist bereits Eröffnung.